Die Suche nach dem heiligen Gral

Seit einiger Zeit versuche ich einen Blogeintrag von einem Autor wiederzufinden, den ich vor ungefähr einem Jahr auf Facebook gepostet habe, und dessen Name mir leider entfallen ist. Darin ging es darum, dass wir von klein auf darauf konditioniert werden, „es“ zu erreichen. Unser Ziel im Leben, die Erreichung unserer Träume, das alles besser machen wird. Wenn wir Kleinkinder sind, ist es der Kindergarten, danach die Grundschule, später die weiterführende Schule, dann der Schulabschluss. Darauf folgt eine Ausbildung oder ein Studium, der Traumjob, der Traumpartner usw. usw.

Und der Autor schrieb, das wäre so ähnlich wie dein sogenanntes Traumgewicht zu erreichen. So nach dem Motto – wenn ich das und das erreiche, nur dann werde ich glücklich und erfüllt sein, nur dann werde ich „es“ geschafft haben. Das ist wie ein christliches Heilsversprechen.

Und der Autor meinte, dass das eine ungesunde Haltung sei, die uns da von klein auf eingeimpft wird. Und ich denke, da ist einiges Wahres dran.
Im Moment werde ich von einigen Bekannten mit etwas Ähnlichem konfrontiert, die der Ansicht sind, es wäre so traurig, dass ich nicht meine Träume verwirklichen könnte. Zum einen finde ich es erstaunlich, dass diese Menschen so konkrete Vorstellungen davon haben, was meine vermeintlichen Träume waren oder sind. Ist es wirklich so ein furchtbarer Verlust, seine Träume zu verlieren? Vielleicht ist vielmehr das die Erlösung, auf die wir alle hoffen können.

Das Jagen nach dem Endziel, der großen Verwirklichung erscheint mir manchmal wie die Karotte, die vor dem Maul des Pferdes hin- und herschwingt, und hinter der es in nicht enden wollendem Galopp hinterher rennt, ohne das grüne Gras neben dem Weg zu beachten. Und was geschieht, wenn du dein Ziel erreichst. Im Kinofilm folgt nach dem Happy End der Abspann und dann das Dunkel. Aber so ist das Leben nicht – der Film geht weiter und was nun?

Man kann nicht permanent glücklich sein, das wäre auch nicht wirklich das Glück, immerwährend glücklich zu sein. Es ist ein kurzer Moment der Befriedigung und dann geht der Weg weiter.

Bin ich ein trister Mensch nur weil ich beschlossen habe, den Ritt zu genießen und mich nicht so sehr um das Ziel zu scheren? Oder macht mich das nicht zu einem wesentlich zufriedeneren Menschen?

Schon als Kind habe ich manchmal gedacht, dass wir vielleicht unser Leben so verdammt wichtig nehmen und zu allen möglichen Zielen streben, uns abplagen noch und nöcher, nur um am Ende vielleicht festzustellen, dass alles ein kolossaler Witz war.

Vielleicht gibt es gar keinen sogenannten Sinn des Lebens? Und wäre das wirklich so schlimm? Ich erinnere mich an eine Freundin, die vor Jahren in einer kleinen Lebenskrise steckte und erklärte: „Ich habe nicht das große Ziel im Leben für das ich brenne. Ich glimme nur so vor mich hin.“

Ist sie deshalb zu bemitleiden? Vielleicht sind es gar nicht die großen Dinge sondern die kleinen, die hier und da uns begegnen, die am Ende das Leben reicher und glücklicher gestaltet haben.

Ich sage nicht, dass ich hier eine Wahrheit verkünde. Aber ich denke, es lohnt sich, nicht immer nach dem heiligen Gral zu suchen, sondern auch ab und an inne zu halten und die Landschaft drumherum zu genießen.

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