Gedanken

Ich sehe aus dem Fenster und denke. Die Gedanken steigen auf und nieder. Sie schweben nach oben wie schillernde Seifenblasen. Nur schade, dass sie so leicht zerplatzen.

Sie tropfen nach unten auf den Boden, sammeln sich zu kleinen Pfützen, die sich zu einer großen Lache vereinen. Das Wasser sickert in den Boden, weicht ihn auf. Mehr und mehr verwandelt er sich zu Schlamm. Er wird zu einem Moor. Tief und dunkel und schwer zu passieren. Nebelschwaden steigen auf, krauchen in dicken Teppichen über die Schlammoberfläche hinweg. Ab und an kann man zwischen den Dunstfetzen schemenhaft einen knorrigen kahlen Baum erkennen, der im Morast steht. Es ist unglaublich still. Nur der Wind streicht mit zartem Wispern durch die Äste der geduckten Bäume hindurch.

Ich spüre wie ich immer mehr in dem Schlamm einsinke, mit jedem Schritt ein kleines Stück tiefer. Und tiefer. Bald reicht der feuchte Grund mir bis zu den Knien. Es wird schwieriger den nächsten Schritt zu tun. Dann verschluckt mich der Erdboden etwas mehr und meine Fingerspitzen berühren die kühle Oberfläche des dunklen Moors.

Ich verharre und lasse mich Zentimeter für Zentimeter von der Dunkelheit aufnehmen, fühle die Kühle und die Weichheit, die mich immer mehr umfängt. Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf den Prozess des Hineinsinkens.

Bald klettert die dunkle Nässe an meinem Gesicht empor, zieht mich immer mehr in die dunkle Schweigsamkeit hinab. Ich löse mich in dem Morast auf, werde eins mit ihm. Weiche auf und verliere mich in der Endlosigkeit und Formlosigkeit der Schwärze, die mich umgibt.

Von Ferne vernehme ich ein Rascheln, schleifenhafte Bewegungen, ein Auf und ab. Ich öffne die Augen und blicke auf die dunkle Spur der Bleistiftmine, die sich gegen die Weiße des Papiers behauptet, auf der sie ihre Bahnen zieht. Eine Träne tropft hernieder und weicht die Grenze zwischen dunkler Härte und lichter Grellheit. Oder war es doch eine letzte Seifenblase? Ich beende den Satz, schaue aus dem Fenster und denke.

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