Bubble I

„Good morning, sunshine…“, flötete eine sanfte Stimme durch die dämmerige Stille. „Pythooon… time to get up… it’s a beautiful day…“ tönte sie fort woraufhin sich wie aufs Stichwort automatisch die Jalousien in Pythons Appartement öffneten.

Python öffnete zaghaft das linke Auge und blinzelte in die Morgensonne. Die Stimme hatte offensichtlich recht gehabt. Es versprach ein sonniger Tag zu werden. Wobei das eigentlich keinen Unterschied machte. Sie hauchte Tag ein Tag aus munter den immer selben Spruch egal wie gut oder schlecht das Wetter war. Python schloss das Auge wieder und wälzte sich faul auf den Rücken. Dann öffnete er den Mund zu einem weiten Gähnen und reckte wohlig Arme und Beine so weit von sich weg wie es ihm seine Körperfülle erlaubte.

Dann öffnete er dieses Mal beide Augen und kugelte sich vom Bett in seine Bubble, die einsatzbereit daneben schwebte. Bubbles waren Lebens- und Arbeitsraum sowie Entertainmentcenter und Transportmittel in einem. Man konnte so ziemlich alles in seiner Bubble verrichten, sogar eine mobile Toilette war dort eingebaut. Allerdings hatte man darauf verzichtet, das Schlafen ebenfalls dorthin zu verlagern. Einfach weil Forschungsergebnisse erwiesen hatten, dass die Bubble zu bequem war und der Körper in einem althergebrachten Bett durch die unwillkürlichen Bewegungen während des Schlafens zu seinem täglichen Fitnessprogramm kam.

Die Bubble schwebte mit Python in das Badezimmer. Dort klappte sich automatisch das Verdeck hinunter. „Morgenwäsche eingeleitet“, verkündete motiviert eine andere Stimme. Während Python auf einem der kleineren Monitore in der Bubble sich SQL’s neuestes Musikvideo anschaute, in dem der Superstar in einer Bubble aus glitzernd-pinken Krumulit durch eine fantastische Landschaft kurvte, zippte ein Greifarm, der an der Badezimmerwand montiert war, seinen Pyjama-Einteiler auf und pellte mit genau eingezirkelten Bewegungen Python daraus hervor. Daraufhin ging die Dusche über ihm an. Die Wassertemperatur war genau auf Pythons einprogrammierte Wünsche eingestellt. Das heißt, heute war sie etwas kühler als sonst, da die Sonne schien. Ein anderer Greifarm mit einem Waschlappen seifte Python währenddessen gründlich an allen Stellen ein. Die Dusche stellte sich danach wieder ab und ein Heißluftgebläse trocknete in buchstäblicher Windeseile Pythons Haut während ihm ein zweiter Monitor mehrere Outfits für den heutigen Tag vorschlug. Python folgte den Vorschlägen träge mit den Augen ohne den Kopf zu wenden. „2“, rief er schließlich.

Prompt kam aus dem an der Seite eingelassenen Wandschrank alles herausgefahren.

Ein Arm stülpte das Oberteil über den Kopf von Python, ein anderer fuhr unter seinen Po und hielt ihn hoch, damit der dritte Greifarm ihm die Hose überziehen konnte. Ein vierter verzurrte alles miteinander während Nummer fünf und sechs seine Füße mit dem ausgewählten Schuhwerk versah.

Danach legte ihm der erste Greifarm fürsorglich ein Lätzchen um und Python fletschte gehorsam die Zähne, damit ihm ein anderer Roboterarm ihm die Zähne putzen konnte. Anschließend öffnete Python den Mund, damit die automatische Zahnbürste auch in der hintersten Ecke seiner Mundhöhle getreu den neuesten Hygiene-Richtlinien der staatlichen Zahnarztregulierungen klar Schiff machen konnte. Zum Schluss spritzte ihm ein neuer Roboterarm antibakterielle Mundspülung in den Rachen, während ein weiterer ihm fürsorglich unterstützend den Hinterkopf hielt, damit Python ohne große Anstrengung dieselbige in ein bereitgestelltes Becken spucken konnte. Zum guten Schluss cremte eine Massagebürste in kreisenden Bewegungen Tagescreme über Pythons Wangen während zwei Frisierhände ihm die Haare kämmten und dann mit Styling-Gel in Form kneteten.

„Morgenwäsche beendet. Hab einen schönen Tag, Python“, schnarrte die Badezimmerstimme und die Bubble fuhr das Verdeck wieder hoch und schwebte aus dem Badezimmer heraus.

Auf dem Weg nach draußen machte die Bubble noch einen Halt an der Küchenstation, wo ihr Fressspeicher mit einem Shake vollgetankt wurde, der mit allen Nähr- und Ballaststoffen angereichert war, die für einen Mann in dem Alter und mit den Körpermaßen von Python laut der staatlichen Gesellschaft für Ernährung vorgesehen waren. Python hatte nur zwischen den verschiedenen Geschmacksrichtungen zu wählen. Er überlegte kurz und entschied sich für Matcha-Guave mit Kerbelschaum. Zufrieden an seinem Strohhalm nuckelnd schielte Python auf das Musikvideo von C++, das jetzt auf einem der Monitore gezeigt wurde, während er auf dem großen Hauptbildschirm, der nichts weiter als die gesamte Kuppel der Bubble war, sein Lieblings-Game startete. Die Schalen von Bubbles waren immer transparent, so dass man durch den Bildschirm noch immer die Außenwelt wahrnehmen konnte. Nur interessierte diese in der Regel die Insassen der Bubbles kein bisschen. Es war auch nicht notwendig, da die Bubbles einmal programmiert oder per Sprachsteuerung aufgefordert, von selbst ihre festgesteckten Wege abfuhren. Und so schaukelte auch jetzt Pythons Bubble durch die Eingangstür seine Wohnung, welche sich daraufhin selbstständig verriegelte und Python ebenfalls freundlich einen schönen und erfolgreichen Arbeitstag wünschte. Dann fädelte sich die Bubble ganz von selbst in den morgendlichen Berufsverkehr ein.

Fortsetzung folgt…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.