Die Bundesrepublik sieht rot

Bisher halten sich die Coronavirus-Infektionen in Deutschland noch in Grenzen. Den Geist vieler Bundesbürger hingegen hat der Virus bereits erfolgreich infiltriert. Regale in den Supermärkten werden im Zuge irrationaler Hamsterkäufe leergeräumt. Krankenhäuser müssen ihre Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel unter Verschluss halten, damit sie nicht von panischen Besuchern für ihr Zuhause gehortet werden.
Ebenfalls der allgemeinen Hysterie zum Opfer gefallen sind mittlerweile etliche kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel die Leipziger Buchmesse oder die Reisemesse ITB in Berlin.
Und dabei hat die Grippewelle bereits 202 Tote in Deutschland gefordert. Der Coronavirus dagegen nur zwei. Ohne die Sachlage verharmlosen zu wollen – woher kommt diese unmäßige Angst vor dem neuen Coronavirus? Oder vielmehr – wäre unsere Furcht vor der Infektionskrankheit genauso groß, wenn der Virus nicht aus China, sondern aus Holland käme?
Seit Jahren warnen uns führende Politiker und Wirtschaftswissenschaftler vor der „kommenden Supermacht des 21. Jahrhunderts“[1]. Und hier steckt ebenfalls nicht einfach  die Angst vor einer ernst zu nehmenden wirtschaftlichen Größe dahinter, sondern vor allen Dingen die Sorge vor einer gefürchteten Übernahme durch ein kommunistisches System aus dem nicht mehr ganz so fernen Osten. Ob China das überhaupt anstrebt, sei dahingestellt. Im Kopf der Bundesbürger ist das Land des Lächelns auf jeden Fall über viele Jahre als sich anschleichender Feind durch Politik und Medien aufgebaut worden. Jetzt wo das Thema Coronavirus als weitere unsichtbare Bedrohung aus China auf den Plan tritt, scheinen die Gehirnwindungen unserer Mitmenschen sich die schlimmsten Horrorszenarios auszumalen. Man kann nur hoffen, dass die Medien, sozialen Netzwerke und nicht zuletzt führende Politiker nicht noch mehr Wasser auf die Geistesmühlen kippen und stattdessen tatkräftig versuchen, die Wogen zu glätten. Denn Experten wie der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité rechnet mit einer zwei Jahre andauernden Verbreitungswelle des Coronavirus. Wir brauchen also einen langen Atem und vor allen Dingen einen kühlen Kopf, um mit dem neuen Krankheitserreger umgehen zu lernen, ungeachtet dessen, woher er ursprünglich stammt.

[1] Die Zeit N°11, 05.03.2020, S. 7

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.